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Jahresausstellung 2009 / 2010
 
Heilkräuter und Gartenanlagen im Kloster St.Gallen
29. November 2009 bis 7. November 2010

Die Öffnungszeiten ab dem 29. November 2009 finden Sie hier.

Der karolingische Klosterplan der Stiftsbibliothek St.Gallen aus der Zeit um 820 ist nicht nur ein einzigartiges Monument der Architekturgeschichte, auch andere Wissenschaften finden auf dieser für das Kloster St.Gallen bestimmten Planzeichnung grundlegende Quellen. Dies gilt auch für die Botanik und die Medizin. Keine Geschichte der beiden Wissenschaften kommt am Klosterplan vorbei, in dem drei Gärten (Kräutergarten, Gemüsegarten, Baumgarten) und ein grösserer medizinischer Bezirk eingezeichnet und detailreich beschriftet sind. Für die Botanik ähnlich grosse Bedeutung besitzt das Gartengedicht "Hortulus" ("Liber de cultura hortorum") des Reichenauer Gelehrten Walahfrid Strabo (gest. 849); in Versform werden darin 23 Heilkräuter besungen. Gewidmet war das Gedicht dem St.Galler Abt Grimald (841-872), und die älteste Abschrift des Textes befand sich bis kurz nach 1600 in der Klosterbibliothek von St.Gallen (heute Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom).

Die Stiftsbibliothek besitzt eine schöne Sammlung von medizinischen Handschriften aus dem Frühmittelalter, in denen Wirkung und Nutzen von Heilpflanzen für die verschiedensten Krankheiten geschildert und Rezepte für deren Heilung vermittelt werden. Zwei Vitrinen der Ausstellung beschäftigen sich mit handschriftlichen und gedruckten Kräuterbüchern sowie medizinischer Literatur aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Leider ist derzeit im Klosterbezirk von St.Gallen fast nichts mehr von den schönen und repräsentativen Gartenanlagen der Barockzeit zu sehen. Im Nordosten der Klosteranlage wurde zwischen 1648 und 1690 etappenweise der "Fürstliche Garten", der Garten der Fürstäbte, als anmutiger kleiner barocker Ziergarten mit Wasserspielen, Weglein und einer Grotte eingerichtet. Im Innern des Kreuzgangs, östlich der Bibliothek, lag der Konventgarten, in dem auch ein Glashaus mit exotischen Gewächsen und Pflanzen stand. Westlich der Bibliothek diente der "Recriergarten" den Mönchen zur Erholung von der Mühsal des Alltags. Schliesslich war im innern Klosterhof rund um den steinernen Fischbrunnen der "runde Conventgarten" situiert, an jener Stelle, wo sich heute vor der Galluskapelle ein von einem Blumengärtchen umsäumter Brunnen befindet. Wegen des Neubaus der Pfalz (mit dem fürstäbtischen Thronsaal) nach 1768 musste der "Fürstliche Garten" ausserhalb der Klostermauern einen Kilometer ostwärts nach St.Fiden verlegt werden; auch diese Anlage existiert nicht mehr. In drei Vitrinen erinnern Texte und Bilder an diese Gartenanlagen des ehemaligen Klosters.

Zur Ausstellung ist ein reich illustrierter Katalog erschienen.

Ausstellungsflyer

Schepenese, die ägyptische Mumie der Stiftsbibliothek, ist bis Oktober nicht im Barocksaal ausgestellt. Sie kann im Historischen Museum St.Gallen als Teil der Ausstellung "Im Banne Ägyptens. Begegnungen mit der Ewigkeit" besucht werden.

 


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